Neil Gaiman und Michael Reaves
Interworld
ISBN 978-3-401-50130-7
Broschiert | 259 Seiten | 9,95 [D]
Bestellen im Buchhandel | bei Amazon

Interworld

Dass Joey Harker sich verläuft, ist nichts Besonderes. Doch eines Tages ist irgendetwas komplett durcheinandergeraten, als er endlich nach Hause findet. An der Wand hängt das Bild eines Mädchens, das er nicht kennt, das ihm aber ähnlich sieht. Das Zimmer für seinen kleinen Bruder ist einfach nicht mehr da. Und als er seiner Mutter auf der Treppe begegnet, hat sie die falsche Augenfarbe. Aber das Schlimmste ist: Sie erkennt ihn gar nicht. Für Joey beginnt ein ganz neues Leben, spannender und abenteuerlicher, als ihm lieb ist.

Leseprobe

Kapitel 1

Einmal habe ich mich in unserem eigenen Haus verlaufen. Das klingt schlimmer, als es war. Wir hatten gerade unseren neuen Anbau bekommen – einen Flur und ein Zimmer für den Kraken, alias Kevin, meinen wirklich kleinen Bruder. Allerdings waren die Handwerker nicht mehr da und der Staub hatte bereits einen Monat Zeit gehabt, sich wieder zu legen. Wie immer rief Mom zum Abendessen und ich machte mich auf den Weg nach unten. Im ersten Stock bog ich falsch ab und landete prompt in einem mit Wolken und Häschen tapezierten Zimmer. Da begriff ich, dass ich nach rechts abgebogen war statt nach links, also machte ich prompt denselben Fehler noch einmal und stolperte in den Wandschrank. Als ich schließlich unten ankam, saßen Jenny und Dad bereits am Tisch und Mom warf mir den BLICK zu. Ich wusste, dass jeder Erklärungsversuch lahm klingen müsste, daher hielt ich einfach den Mund und machte mich über meine Käsemakkaroni her. Aber ihr begreift das Problem. Ich habe nicht, wie meine Tante Maude es nennt, eine Orientierungsschwäche. Wenn überhaupt, habe ich dort, wo diese Schwäche sein sollte, ein riesiges Loch. Ganz zu schweigen davon, Nord von Süd unterscheiden zu können oder Ost von West – ich habe mit links und rechts schon genug Probleme. Eine Ironie des Schicksals, wenn man bedenkt, wie die Dinge sich entwickelt haben . . . Aber ich greife mir vor. Okay. Ich werde die Sache so zu Papier bringen, wie Mr Dimas es uns beigebracht hat. Er sagte, es spiele keine Rolle, wo man anfängt, solange man überhaupt irgendwo anfängt. Also werde ich mit ihm anfangen. Es war mitten in meinem zweiten Highschooljahr und alles lief ziemlich normal außer – wenig überraschend – in Sozialkunde. Mr Dimas, der das Fach unterrichtete, war für seine unkonventionellen Unterrichtsmethoden geradezu berüchtigt. Vor einer Weile hatte er jeden von uns mit verbundenen Augen eine Nadel in eine Weltkarte stecken lassen. Dann mussten wir Aufsätze über den Ort oder das Gebiet schreiben, in dem die Nadel steckte. Bei mir war es Decatur in Illinois. Einige beklagten sich, weil ihre Nadel in Ulan-Bator oder Simbabwe steckte. Sie hatten Glück. Versucht ihrmal, zehntausend Worte über Decatur in Illinois zu schreiben. Aber Mr Dimas machte immer solche Sachen. Im vergangenen Jahr hatte er es auf die erste Seite der Lokalzeitung geschafft und wurde beinahe gefeuert, als er zwei Klassen zu verfeindeten Fürstentümern machte, die ein ganzes Halbjahr lang versuchten, einen Frieden auszuhandeln. Die Friedensgespräche kamen schließlich zum Erliegen und die beiden Klassen setzten während einer Freistunde den Krieg auf dem Schulhof fort. Die Dinge gerieten ein wenig außer Kontrolle und das Ergebnis waren blutige Nasen hier und da.

Weiterlesen